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Umtausch defekter Geräte während Gewährleistung


Anderthalb Jahre nach dem Kauf löste sich beim 524,90 Euro teuren Herd aus einem Versandhaus im Backofen die Emaille-Schicht ab. Ärgerlich, aber kein Problem, dachte Kathrin Schmidt (Name geändert): Denn schließlich war der Defekt innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist von zwei Jahren aufgetreten. Und da gilt: Der Kunde hat Anspruch auf eine kostenlose Reparatur oder ein Austauschgerät. Ist damit der Mangel nicht behoben, gibt´s Geld retour.

Doch als Schmidt das Gerät reklamierte, kam die böse Überraschung: Der Versender lieferte zwar einen neuen Herd, verlangte von der Kundin aber eine so genannte „Nutzungsentschädigung” von 120 Euro. Schließlich, so die Firma, habe sie auf dem reklamierten Herd anderthalb Jahre „beanstandungsfrei gekocht”.

So wie Kathrin Schmidt kann es vielen gehen: Bei einer Stichprobe verlangte die Hälfte der zehn Unternehmen eine Nutzungsentschädigung für den Umtausch während der Gewährleistungsfrist.

Insgesamt fragte die Verbraucherzentrale NRW bei zwei Kaufhäusern, drei Versendern und fünf Elektrohändlern an. Das Ergebnis: Bei fünf der zehn Unternehmen (Amazon, Karstadt, Kaufhof sowie Filialen von Saturn und Media Markt) bekommen Kunden nach der Reklamation ein neues Gerät – ohne Nachzahlung. Die restlichen fünf verlangen eine Nutzungsentschädigung.

Genaueres über die Höhe des fälligen Betrages wollen nur Quelle und ProMarkt verraten. Quelle macht die Entschädigung abhängig vom Neupreis und von der Dauer der Nutzung. Obendrein gibt es Produktgruppen. Geht etwa eine Waschmaschine nach einem Jahr kaputt, verlangt Quelle zehn Prozent vom ursprünglichen Kaufpreis. Bei Fernsehern gehen fünf bis zehn Prozent ab, und ein Computer, der nach einem Jahr plötzlich den Geist aufgibt, schlägt mit 15 Prozent zu Buche. Kleiner Trost: Nutzungsentschädigung wird beim Versender erst ein halbes Jahr nach Kauf fällig.

Beim Elektrohändler ProMarkt dagegen richtet sich die Höhe des Abzuges allein nach Nutzungsdauer und Kaufpreis. Eine Tabelle vom Bundesverband Technik des Einzelhandels bildet die Grundlage für die Berechnung. Die Übersicht, eine Empfehlung für die Branche, kann jeder per E-Mail für 13 Euro anfordern (Adresse: bvt@einzelhandel).

Drei Beispiele für Umtausch nach einem Jahr: Eine 500 Euro teure Waschmaschine schleudert 50 Euro extra vom Konto. Ein Fernseher zum selben Preis bringt´s auf 71,43 Euro. Richtig teuer kommen PC: 166,67 Euro.

Keine Einzelheiten, wie sie sich für die Nutzung ihrer Geräte entschädigen lassen wollen, mochten Otto und Conrad Electronic verraten. Auch Versender Neckermann, der ausschließlich für Computer kassiert, verschwieg Details zu seiner Kalkulation. Ob Nutzungsentschädigungen für Austausch-Geräte überhaupt zulässig sind, prüft derzeit der Europäische Gerichtshof. Eine Entscheidung erwarten Experten in etwa einem Jahr. Bis dahin, rät Verbraucherjurist Jürgen Schröder, „sollten reklamierende Konsumenten auf die unklare Rechtslage hinweisen und notfalls unter Vorbehalt zahlen”.

Kurios wird´s rechtlich für diejenigen, die partout nichts berappen wollen. Beharrt der Verkäufer nämlich auf seiner Forderung, kann der Kunde nach Auffassung der Verbraucherzentrale vom Vertrag zurücktreten und den Kaufpreis zurückfordern. Die Folge: Es droht eine Nutzungsentschädigung. „Und die ist bei ´Geld zurück` innerhalb von zwei Jahren nach Kauf gesetzlich erlaubt”, sagt Verbraucherschützer Schröder.

Von Martina Grau/vznrw, 9. März 2007; Quelle: vznrw/Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
Kategorie: Rückgaberecht & Umtauschrecht
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Kommentare: 1 Kommentar vorhanden
  • Kommentar von basti am 05. Feb 2010

    EuGH (C-404/06): Umtausch defekter Geräte muss kostenlos sein – Nachbesserung im deutschen Recht notwendig
    EuGH: Umtausch defekter Geräte muss kostenlos sein Nachbesserung im deutschen Recht notwendig

    Verkäufer dürfen beim Austausch fehlerhafter Produkte keine Entschädigung dafür verlangen, dass die defekte Ware vorher benutzt worden ist. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute in einem wegweisenden Urteil entschieden. Anderslautende gesetzliche Regelungen in Deutschland seien mit dem höherrangigen europäischen Recht nicht vereinbar. „Das Urteil schiebt der doppelten Benachteiligung von Verbrauchern einen Riegel vor“, begrüßt der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes Gerd Billen die Entscheidung. Der Verband hatte die Entscheidung mit einer Klage gegen den Quelle-Konzern erwirkt.

    Urteil des EuGH vom 17.04.2008, Az.: C-404/06
    Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16.08.2006, Az.: VIII ZR 200/05

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