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Noch mehr Programme – zu wessen Nutzen? – AgV zur “Initiative Digitaler Rundfunk – Negativbeispiel: DSR-Abschaltung


Schöner, besser und billiger sollen Fernsehen und Radio werden, wenn das Computerzeitalter nicht nur in den Produktionsstudios der Sendeanstalten, sondern auch im heimischen Wohnzimmer Einzug gehalten hat. Die digitale Übertragung von Rundfunkprogrammen soll den Verbrauchern künftig noch mehr Programme in besserer technischer Qualität bringen. Vorher allerdings dürfte die neue Technik der HiFi-Branche einen Boom bescheren; denn mit einem herkömmlichen Fernseher oder Radio lassen sich digitalisierte Rundfunksignale nur mit Zusatzgerät empfangen. Damit nicht in allen deutschen Haushalten auf einem Schlag neue Geräte angeschafft werden müssen, sollte es bei der Makteinführung des Digitalen Rundfunks angemessene Übergangszeiträume geben. Diese Forderung erhebt die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) anläßlich der Veröffentlichung des Abschlußberichts der “Initiative Digitaler Rundfunk” durch den Bundeswirtschaftsminister am heutigen Montag (24. August 1998, die Red.) in Bonn.

Im Rahmen der Initiative Digitaler Rundfunk hat ein Expertengremium, aus Bund und Ländern Wirtschaftsverbänden, Programmanbietern, Medienanstalten -und Verbraucherverbänden die Rahmenbedingungen und Eckpunkte für den Übergang zum rein digitalen Hörfunk und Fernsehen beschrieben, um so bei allen Beteiligten für Planungssicherheit zu sorgen. Dabei hat sich die AgV dafür eingesetzt, daß ein abrupter Umstieg in die neue Technik möglichst vermieden wird. Übergangszeiträume müssen so gewählt, Programmangebote so konzipiert werden, daß nicht über Nacht moderne Geräte zu Schrott werden, meinen die Verbraucherverbände. Die Industrie ist aufgefordert, rechtzeitig und zu erschwinglichen Preisen Zusatzgeräte zur Nachrüstung vorhandener Empfänger anzubieten. Dort, wo ein plötzliches Ende der Analogübertragung unvermeidbar ist, sollte es in der Anfangsphase eine Subvention der betroffenen Haushalte geben, fordert die AgV. Die Versorgung mit öffentlich-rechtlichen Programmen müsse weiterhin sichergestellt werden.

Wichtig ist, daß technische Standardverfahren, auf die man sich inzwischen, europaweit verständigt hat, von Geräteherstellern und Netzbetreibern, auch konsequent angewandt werden, betont die AgV. Ansonsten liefen die Verbraucher Gefahr, in kurzen Abständen immer wieder in eine neue technische Ausstattung investieren zu müssen. Ein Beispiel dafür gibt es schon die Telekom AG hat angekündigt, im Januar 1999 ihren Digitalen Satelliten Rundfunk (DSR) endgültig abzuschalten. Über Nacht würden dadurch rund 80.000 hochwertige Empfangsgeräte in bundesdeutschen Haushalten wertlos. Solche Entwicklungen müssen künftig verhindert werden, fordert die AgV. Andernfalls dürfte es sehr schwierig werden, bei den Konsumenten für die neuen Techniken Akzeptanz zu finden. Die Verbraucherverbände erwarten von allen Gruppierungen, die in der “Initiative Digitaler Rundfunk” mitgearbeitet haben, daß sie sich bei der praktischen Umsetzung der Zielvorstellung an die gemeinsam verabredeten Bedingungen halten, auch wenn der Abschlußbericht der Initiative keinen rechtlich verpflichtenden Charakter hat.

Von Bernhard Rais, 28. August 1998;
Kategorie: Sonstige Meldungen
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