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Vogelgrippe: Das müssen Sie wissen – so müssen Sie sich verhalten – Pandemie zum gegenwärtigen Zeitpunkt unwahrscheinlich


Die Vogelgrippe (auch Geflügelgrippe oder Geflügelpest genannt) hat nun auch die Bundesrepublik erreicht und wird aller Voraussicht nach den Erdball umrunden. Besonders aggressiv ist die Vogelkrankheit, wenn die Tiere vom H5N1-Virus befallen sind, der auch für den Menschen gefährlich werden kann. Normalerweise ist die Vogelkrankheit für den Menschen ungefährlich. VerbraucherNews.de hat alles auf einen Punkt gebracht:

Was ist die Vogelgrippe:

Die Vogelgrippe ist eine hoch ansteckende Vogelkrankheit, ist erstmals 1878 in Italien beobachtet wurde. Bisher ging man davon aus, dass die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit drei bis 14 Tage beträgt. Unsicher sind die Wissenschaftler inzwischen geworden, weil die auf Rügen gefundenen Schwäne vermutlich schon seit Herbst 2005 den Virus in sich hatten. Warum, das ist noch ungeklärt. Um den Vogelgrippe-Virus auf den Menschen zu übertragen muss der Virus mutieren, was nicht so einfach ist und bisher auch nirgendwo passiert ist. Hinzu kommt, dass bestimmte Voraussetzungen erforderlich sind, die in der Regel jedoch nicht zutreffen. Warum, wird weiter unten beschrieben.

Kleine Virenkunde:

Es gibt drei Virentypen A, B und C: Der Virentyp C ist relativ harmlos und verursacht lediglich leichte Atemwegserkrankungen, keineswegs jedoch Epidemien. Der Virentyp B kann Epidemien auslösen, tritt aber nur beim Menschen auf. Am weitesten verbreitet und am aggressivsten ist jedoch der Virentyp A, der nicht nur beim Menschen auftritt, sondern auch bei Vögeln, Geflügel, Schweinen, Walen, Pferden und Seehunden. Grippeviren können ihre Gene jedoch mit anderen Viren austauschen. In vielen Fällen benützen die Viren Schweine als Wirtstier, weil diese sowohl menschliche, als auch Vogelgrippeviren in sich tragen können. Dadurch können für den Menschen höchst tödliche Virus-Untergruppen entstehen, da die Menschen keine Antikörper haben – Auslöser für die „Spanische Grippe“ (s. weiter unten). Doch war dies vor knapp 100 Jahren und die hygienischen Bedingungen haben sich nun mal zu unserem Vorteil erheblich verändert, weshalb die Europäer nicht direkt gefährdet sind. Natürlich gibt es nicht zu unterschätzende Risiken, die weiter unten beschrieben werden.

Zuerst die „gute“ Nachricht:

In asiatischen Ländern leben die Menschen sehr eng mit ihren Haustieren zusammen. Die hygienischen Maßnahmen sind in den meisten Fällen weit von denen der Europäer entfernt (wenn man außer acht lässt, dass es auch – wie in der Türkei geschehen – sich um Fälle handelt, in denen der Kontakt zum Federvieh sehr eng ist). Trotzdem sind in dem sehr bevölkerungsreichen Erdteil Asien „nur“ gut 100 Menschen mit dem Virus infiziert worden. Allerdings sind 70 gestorben, was die Aggressivität des Virus beweist. Auch wird der Virus nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass es kurzfristig zu einer Pandemie kommen wird.

Die schlechtere Nachricht:

Dass wir die Vogelgrippe nicht unterschätzen dürfen zeigt die „Spanische Grippe“, die Ende des Ersten Weltkrieges ausgebrochen ist und mehr als 50 Millionen Menschenleben kostete. Der Übeltäter hieß H1N1-Virus. Wenn auch die gegenwärtigen hygienischen Verhältnisse im Vergleich zu denen am Ende des Ersten Weltkrieges keineswegs vergleichbar sind, so haben wir einen Risikofaktor, den es damals nicht gab – die Globalisierung. Nachdem alle zwei bis drei Jahre sich die Viren durch Mutationen verändern, ist eine Pandemie (weltweite Epidemie) in Zukunft keineswegs unmöglich, die WHO geht sogar davon aus, dass diese eher wahrscheinlich ist. Doch hier sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Ob und wie stark wir in Westeuropa davon betroffen sind hängt davon ab, wo der neue (d. h. mutierte) Virus zuerst auftritt. Eine Pandemie verbreitet sich nicht von heute auf morgen und ein Impfstoff ist nach gegenwärtigem Stand innerhalb von drei Monaten entwickelt. Die Bundesländer haben für 20 % der Bevölkerung Medikamente aufgekauft.

Aber es gibt auch hier wieder eine gute Nachricht

Der höchst gefährliche H5N1-Virus hat bisher keine Anstalten gemacht, zu mutieren – nirgendwo. 92 Menschen sind weltweit an der Vogelgrippe gestorben – eine vergleichsweise winzige Zahl, wenn man bedenkt, dass das Virus in Asien schon seit neun Jahren wütet und 150 Millionen Tiere das Leben gekostet hat. Diese 92 Personen hatten allesamt sehr intensiven dauerhaften Kontakt mit Geflügel.

Welche aktuellen Vorsorgemaßnahmen sollen die Verbraucher treffen

Es liest sich vielleicht merkwürdig: Aber Sie sollten weiterhin so leben wie bisher, d. h. keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ihre Tiere bleiben in den Ställen, Sie waschen sich die Hände, wenn Sie Federvieh angefasst haben und berühren auch keine toten. Sie können absolut bedenkenlos auch weiterhin Geflügel essen. Da wir dies sowieso nur durchgegart tun, können Sie sich definitiv nicht anstecken auch, wenn beispielsweise das Huhn infiziert wäre. Wenn Sie Eier – beispielsweise – vom Biobauern kaufen, dann sollten Sie nach dem Ei aufschlagen einfach Ihre Hände waschen, da das Virus Wasser nicht mag. Übertragen wird das Virus ausschließlich über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit, mit dem wir Verbraucher sowieso keinen Kontakt haben.

Ist die Fußballweltmeisterschaft gefährdet?

Nein. Es ist unwahrscheinlich, dass es innerhalb einer solch kurzen Zeit zu einer Pandemie kommen kann.

Können sich Hund und Katze anstecken

Am besten ist es, wenn Sie darauf achten, dass Ihr Hund nicht mit toten Vögeln in Berührung kommt. Es gibt zwar keine Anhaltspunkte dafür, dass Hunde sich mit der Vogelgrippe anstecken – aber anleinen ist einfach sicherer.

Anders ist es bei Katzen: Fressen Katzen infizierte Vögel, so können sich unsere Stubentiger infizieren und erkranken. Allerdings gilt auch hier: Der Virus muss mutieren, damit er auf den Menschen übertragen wird.

Stallpflicht – warum?

Die Stallpflicht ist eine reine Vorsorgemaßnahme um unser Nutzgeflügel zu schützen. Wenn Geflügel infiziert wird, müssen die Tiere geschlachtet werden. So wurden 2003 in den Niederlanden 25 Millionen Tiere getötet, davon 11 Mio. Legehennen. Infiziert waren etwa 250 Betriebe, geräumt wurden 1.240. Vom gesamten Legehennen-Bestand in den Niederlanden waren bis dahin nur noch 45% vorhanden und davon 10% in Überwachungsgebieten. Die staatlichen Räumungskosten, die den Aufkauf infizierter Tiere, die präventiven Räumungen, die Notschlachtungen und den Einsatz der Armee beinhalten, betrugen mindestens € 250 Mio. Hinzugerechnet werden mussten die Schäden der Branche in Höhe von täglich € 2 Mio. Der moralische Schaden, den Europa nimmt, wenn es durch massenhafte Tötung auch gesunder Tiere ein Großteil einer bestimmten Spezies verliert, ist noch gar nicht abzusehen.

Vor den Niederladen war der letzte große Ausbruch der Geflügelpest 1999/2000 in Italien. Im Verlauf dieses Seuchenzuges wurden mehr als 14 Millionen Tiere getötet.

Der immense volkswirtschaftliche Schaden – das ist momentan das einzig gefährliche an der Vogelgrippe.

VerbraucherNews.de bittet: Geben Sie diese Informationen an Freunde und Bekannte. Es herrscht viel zu viel Unkenntnis und es wird auch zu diesem Thema leider oft zu viel geredet ohne vorher nachzudenken.

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