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Ein Totempfahl fuer den kanadischen Regenwald – Greenpeace starten bundesweite “Totem-Tour” mit kanadischen Indianern


Der Stamm einer rund 600 Jahre alten Rotzeder aus dem kanadischen Regenwald liegt seit heute vormittag auf einem Platz in der Hamburger Innenstadt. Zwei Nuxalk-Indianer aus British Columbia haben damit begonnen, aus dem sechs Meter langen und fast einen Meter dicken Stammstueck einen traditionellen Totempfahl zu schnitzen. Auf ihre Weise wollen sie damit auf die Zerstoerung ihrer Heimat, des Regenwaldes an der kanadischen Westkueste, aufmerksam machen. Die Aktion in Hamburg ist Auftakt einer mehrwoechigen “Greenpeace-Totem-Tour” zum Schutz des kanadischen Regenwaldes durch 14 Staedte im Bundesgebiet.

Auf Schautafeln koennen sich Passanten ueber die Urwaldzerstoerung in Kanada informieren. Am Ende der Tour soll nicht nur der Totempfahl der Indianer fertiggestellt sein. Auch Kinder und Jugendliche setzen in allen Staedten der Tour ihre Ideen zum Thema Urwald in eigenen Holzschnitzereien und Bildern um. Greenpeace-Waldexperte Thomas Henningsen: “Der Kuestenregenwald in Kanada ist der letzte noerdliche Regenwald der Erde. Auch in seinen wenigen noch unberuehrten Taelern wird immer mehr eingeschlagen. Mit dem Urwald verschwindet nicht nur eine einzigartige Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Die Abholzung durch kanadische Holzkonzerne wie Interfor und West Fraser zerstoert auch den jahrtausendealten Lebensraum der kanadischen Ureinwohner”.

Die beiden indianischen Holzschnitzer der “Totem-Tour” kommen aus Bella Coola, einem Dorf mitten im Great Bear-Regenwald, der sich entlang der kanadischen Kueste zwischen Vancouver Island und Alaska erstreckt. Tlàkuuluh (“Wilder Mann, nachdem er in den Bergen gefastet hat und in sein Dorf zurueckgekehrt ist”) und sein Stammesbruder Suncwmay (“Erstes Licht vor dem Morgengrauen”) gehoeren zum Stamm der Nuxalk, der heute nur noch rund 1.700 Stammesangehoerige zaehlt. Die Rotzeder, deren Stamm sie bearbeiten, wurde vom kanadischen Holzkonzern Interfor gefaellt, einer der grossen Kahlschlagkonzerne.

Bei der Vergabe von Konzessionen fuer den Einschlag im Kuestenurwald nahm die Provinzregierung von British Columbia auf die Landrechte und Traditionen der Nuxalk keine Ruecksicht. Jahr fuer Jahr werden allein im Gebiet dieses Stammes ueber eine Million Kubikmeter Holz eingeschlagen. Zurueck bleiben kahlgeschlagene Waldflaechen und verschlammte Fluesse. Die zum Laichen auf klares Wasser angewiesenen Lachsbestaende, Lebensgrundlage fuer die Tiere des Urwaldes ebenso wie fuer die Indianer, verschwinden. Der Kahlschlag des Regenwaldes zerstoert aber auch die Einheit des Stammes: Die Anhaenger der traditionellen Lebensweise stehen in Konflikt mit Indianern, die ihren Lebensunterhalt als Holzfaeller verdienen.

“Die Totem-Tour soll den deutschen Unternehmen, die Holz, Zellstoff oder Papier aus kanadischem Urwaldholz beziehen, deutlich machen, welche verheerenden Folgen ihr Kaufverhalten fuer den kanadischen Regenwald und seine Bewohner hat. Das, was von den einst riesigen Urwaldflaechen in Kanada uebriggeblieben ist, wird in zehn Jahren verschwunden sein, wenn jetzt nichts geschieht. Papierhersteller, Verlage und Holzimporteure duerfen nicht laenger Geschaefte mit Urwaldzerstoerern in Kanada betreiben”, fordert Thomas Henningsen.

Von Verena Rais, 18. Juni 1999;
Kategorie: Sonstige Meldungen
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