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Meeresproben aus Sellafield müssen als Atommüll entsorgt werden – Bremer Behörde ordnet Abtransport von Greenpeace-Proben in nukleares Zwischenlager an


Proben, die Greenpeace-Taucher in der Umgebung der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield genommen hatten, sind so stark radioaktiv verseucht, daß sie in ein nukleares Zwischenlager gebracht werden müssen. Nach einer Analyse der Proben an der Universität Bremen ordnete die verantwortliche Behörde in Bremen den Abtransport an.

Eine Spezialfirma für nukleare Abfälle transportiert heute die Meeresboden- und Seewasserproben von Bremen nach Braunschweig, um sie dort in einem Zwischenlager zu entsorgen. Greenpeace hatte die Proben im Juni letzten Jahres im frei zugänglichen Gebiet in der Nähe des Abwasserrohres der Anlage in Sellafield entnommen und zur Untersuchung nach Deutschland gebracht. Ergebnis: Das Material ist derart radioaktiv belastet, daß es nach deutschem Gesetz als Atommüll gilt.

Die eigentlich für radioaktive Materialien zuständige Landessammelstelle in Geesthacht bei Hamburg darf nach Auskunft der Bremer Behörden die Proben nicht lagern, da sie so viel Plutonium enthalten, daß sie als „kernbrennstoffhaltiger Abfall“ einzustufen sind.

Michael Kühn, Atomexperte bei Greenpeace: „Meerwasser aus Sellafield, aus einer Umgebung, in der Kinder an den Stränden spielen, muß in Deutschland wie radioaktiver Abfall behandelt werden. Es ist absurd, daß Politik und Industrie weiter an der Wiederaufarbeitung festhalten, wenn dadurch in Sellafield Meeresboden zu Atommüll wird. Die Wiederaufarbeitung als schadlose Verwertung zu bezeichnen, ist eine Farce.“ In Sellafield lagern noch rund 600 Tonnen Atommüll aus Deutschland. Pro Tag leitet die britische Betreiberfirma neun Millionen Liter radioaktiv verseuchte Abwässer in die Irische See.

Nachdem die Bremer Universität und auch die Hamburger Umweltbehörde die Proben im vergangenen Sommer untersucht hatten, stellte die Landesmeßstelle in Bremen fest, daß das Meerwasser und das Sediment aus Sellafield als radioaktives Material ordnungsgemäß entsorgt werden müssen. Da Greenpeace keine Transport- oder Umgangsgenehmigung für die Verbringung dieser Proben besitzt, muß nun eine Spezialfirma diese Aufgabe übernehmen.

In einem Protokoll der Hamburger Umweltbehörde vom Juni 1998 heißt es, die Sedimentprobe vom Ende der Pipeline überschreite aufgrund des Gehalts an Plutonium den Grenzwert für den genehmigungspflichtigen Umgang. Weiter heißt es in dem Papier: „Eine Bewertung dieser im Vergleich mit anderen Umweltproben außerordentlichen hohen Strontium- und Plutoniumkonzentrationen bekräftigt die Aussage…, daß … großflächige und weite Umweltbereiche um die Sellafield-Anlage … kontaminiert sind und daß diese radiotoxischen Nuklide langfristig in die Nahrungskette einfließen können“.

Michael Kühn: „Der heutige Abtransport der Meeresproben aus Sellafield in ein atomares Zwischenlager belegt den ganzen Irrsinn der Wiederaufarbeitung. Der sogenannte Brennstoffkreislauf ist eine Sackgasse: Er verwertet nicht, sondern verzwanzigfacht die Atommüllmenge, und er ist nicht schadlos, sondern verseucht ganze Landstriche und Meeresregionen.“

Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die Verseuchung von Mensch und Umwelt durch deutschen Atommüll zu beenden und die Wiederaufarbeitung sofort zu verbieten.

Von Verena Rais, 5. März 1999;
Kategorie: Sonstige Meldungen
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