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Korrigierte Fassung: Chemieindustrie vergiftet die Arktis – Greenpeace startet Kampagne gegen Dauergifte


Dauergifte aus Industrieländern verursachen schwere Schäden bei Menschen und Tieren in der Arktis. Das geht aus einem Report hervor, den Greenpeace am 12. August vor einem Eisbärgehege im Hamburger Tierpark vorgestellt hat. Danach ist die Zerstörung im ewigen Eis durch Dauergifte, sogenannte „persistent organic pollutants“ (POPs), wesentlich weiter fortgeschritten als bisher angenommen: Der Giftgehalt in der Muttermilch von Inuit-Frauen, die sich traditionell von Robben und Fischen ernähren, ist um ein Vielfaches höher als bei Menschen in Westeuropa. Eisbären gehören zu den am stärksten mit Umweltgiften belasteten Tieren der Erde. Mit dem Report startet Greenpeace die Kampagne für ein Verbot von Dauergiften.

„Die schleichende Vergiftung der Umwelt durch Dauergifte ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit“, sagt Brigitte Behrens, Greenpeace-Geschäftsführerin. Zwar sind alte Dauergifte wie PCB oder DDT in vielen Ländern inzwischen verboten, aber an deren Stelle treten jetzt die Neuen. „Die nachgewiesenen Gifte sind nur die Spitze des Eisbergs“, bemerkt Behrens. „Es werden noch viele weitere Dauergifte hergestellt, die großen Schaden anrichten.“ In der Arktis nachgewiesene neue Dauergifte sind unter anderen: bromierte Flammschutzmittel aus Elektrogeräten und TBT aus Schiffsanstrichen. Diese Chemikalien fand Greenpeace auch im Fettgewebe von Pottwalen aus dem Atlantik.

Dauergifte sind schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Bei Menschen und Tieren können sie Schäden am Immun- und Nervensystem, Fortpflanzungsstörungen, Krebs und Störungen des Hormonsystems hervorrufen. So wurden von Forschern in Grönland und Nord-Norwegen junge weibliche Eisbären mit Penis gefunden.

„Verantwortlich ist die Chemieindustrie“, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte bei Greenpeace. „Es ist ein Skandal, dass Menschen und Tiere, die Tausende von Kilometern von den Großstädten und Industriezentren der Welt entfernt leben, durch unsere Chemikalien vergiftet werden.“ In die Arktis gelangen die Giftstoffe über den bisher kaum bekannten Effekt der „Globalen Destillation“: Die stabilen Gifte wandern vor allem über die Luft aus den Produktionsländern der gemäßigten und tropischen Breiten in kältere Regionen, wo sie ausfrieren, mit dem Schnee niedergehen und sich schließlich in den Lebewesen festsetzen. „Das Klima funktioniert dabei wie eine Giftpumpe“, erläutert Krautter.

Greenpeace fordert ein Verbot von Dauergiften. „Die Zeit drängt“, sagt Krautter. „Wenn Dauergifte einmal in die Umwelt gelangen, dauert es Jahrzehnte bis sie sich abbauen.“ Alternativen für Dauergifte sind längst auf dem Markt und werden in einzelnen Produkten auch eingesetzt. „Bislang haben die Vernantwortlichen in der Chemieindustrie ein Dauergift nach seinem Verbot oft durch ein anderes Dauergift ersetzt.“

Um die Bedrohung der Arktis durch Dauergifte zu erforschen, befindet sich seit dem 8. August das Schiff „MV Greenpeace“ mit einer wissenschaftlichen Crew in der Arktis bei Spitzbergen in Norwegen. Im September wird das Schiff in Dänemark, Holland, Deutschland, Schweden, Belgien und Spanien Station machen.

Von Bernhard Rais/ots, 20. August 1999; Quelle: ots/NewsAktuell Presseportal
Kategorie: Sonstige Meldungen
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