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Greenpeace energy geht ans Netz! – 6.000 Kunden unter Vertrag? Stromversorger behindern Wechsel


Pünktlich zum Jahrtausendwechsel setzt Greenpeace ein Signal für die Energieversorgung der Zukunft: ab 1. Januar liefert “Greenpeace energy” bundesweit umweltfreundlich erzeugten Strom. Nur sechs Wochen nach ihrer Gründung hat die Genossenschaft bereits 6.000 Kunden von Flensburg bis Passau unter Vertrag, deren Strom-Belieferung in den nächsten Wochen nach und nach aufgenommen wird. Unterdessen versuchen einzelne Stromversorger mit Tricks, die Greenpeace-Konkurrenz zu behindern.

“Der große Zuspruch zeigt, dass viele Verbraucher persönlich aus der Atomenergie aussteigen wollen und bereit sind, für ihre Absage an umweltschädlichen Atom- und Kohlestrom auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen”, sagt Heinz Laing, Vorstand von Greenpeace energy. “Wir wollten bis Ende 2000 etwa 5000 Kunden gewinnen. Jetzt haben wir dieses Ziel schon in sechs Wochen übertroffen, und täglich kommen neue Verträge hinzu”.

Greenpeace energy ist eine Einkaufgenossenschaft für sauberen Strom. Der Strom wird in Vollversorgung, also rund um die Uhr 365 Tage im Jahr geliefert und kommt zu mindestens 50 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und zu maximal 50 Prozent aus gasbefeuerten, effizienten Kraftwärmekopplungs-Anlagen (KWK). Die Kilowattstunde kostet brutto 34,95 Pf plus einer monatlichen Grundgebühr von 9,90 DM. Für eine vierköpfige Familie entstehen monatlich Mehrkosten von rund 20 Mark, ein Single-Haushalt muss pro Monat rund 10 Mark mehr gegenüber konventionellem Strom bezahlen. Wer zu Greenpeace energy wechseln will, muss lediglich einen Stromvertrag unterschreiben und die letzte Abrechnung an die Genossenschaft schicken, die alles weitere erledigt. Laing: “Niemand braucht mehr einen Pfennig für Atom- und Kohlestrom zu bezahlen, und jeder kann sich seine eigene atomstromfreie Zone schaffen.”

Die fast 900 Energieversorger in der Bundesrepublik haben sich allerdings noch nicht damit abgefunden, dass Ihnen von Greenpeace energy Konkurrenz ins Haus steht. Obwohl die neue Verbände-Vereinbarung ab 1.1. 2000 die Strom-Durchleitung neu regelt, wird der Abschluss von Durchleitungsverträgen für Greenpeace energy teilweise massiv und mit fadenscheinigen Begründungen verzögert. Einzelne Stromversorger versuchen, Kunden von Greenpeace energy durch persönliche Briefe und die Androhung, den Strom abzuschalten, von der Kündigung abzuschrecken.

Noch schwerwiegender ist der Versuch, über eine sogenannte Wechselgebühr den Wechsel zu Greenpeace energy zum finanziellen Abenteuer zu machen. So verlangen die HEW in Hamburg pro Kunde 49 DM für eine Zählerstandsermittlung, andere Stromversorger verlangen bis zu 100 Mark. Heinz Laing: “Einschuechterungsbriefe und Strafgebühren sind unzulässig und behindern den Wettbewerb. Wir prüfen rechtliche Schritte dagegen. Die alten Stromversorger werden den Erfolg von umweltfreundlichem Strom mit diesen Methoden nicht verhindern.”

Von Verena Rais, 31. Dezember 1999;
Kategorie: Strom & Gas
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