Seit dem 20. März hat die Verbraucherzentrale Sachsen in ihren Beratungsstellen fünf Wochen lang Gewinnbenachrichtigungen gesammelt, die an sächsische Verbraucher adressiert waren. Immerhin 3654 Geldgewinne sowie weitere 807 Reise- und Sachgewinne kamen am Ende zusammen. „Das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein“, meint Katja Henschler, Projektleiterin bei der sächsischen Verbraucherzentrale. „Schließlich wussten nicht alle Verbraucher von der Aktion, und manch einer hat wohl auch versucht, seinen vermeintlichen Gewinn abzufordern. Dafür hatte er dann oft eine ‚Bearbeitungsgebühr’ zwischen 20 bis 50 Euro zu zahlen.“
Aber die zusammengetragene Sammlung hat es in sich: Immerhin betrug die Gesamt-Gewinnsumme reichlich 2,6 Milliarden Euro. Das macht im Schnitt 712.000 Euro pro Gewinnmitteilung. Rechnet man einmal hoch, wie viele Milliarden es wären, wenn nur jeder vierte Sachse eine einzige solche Gewinnmitteilung bekommen hätte, dann wären das rund 765 Milliarden Euro. Das entspricht dem Zehnfachen des sächsischen Bruttoinlandprodukts, das im Jahre 2005 immerhin 85,8 Milliarden Euro betrug. „Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass derartige Gewinne tatsächlich ausgezahlt werden“, meint Katja Henschler. „Die Botschaften sind alle zusammen die 86 kg Hochglanz-Papier nicht wert, auf die sie gedruckt wurden.“
Jedoch gestaltet es sich schwierig, etwas gegen die Absender zu unternehmen und beispielsweise den Gewinn einzuklagen. Gerade bei den Gewinnsummen im sechs- und siebenstelligen Bereich sitzen die „edlen Gönner“ laut Absender-Angabe zumeist in Kanada, Australien, Irland oder den Niederlanden, mit Postfach-Anschrift, versteht sich. Bei derartigen „Briefkasten-Firmen“ erweist sich bereits die Zustellung einer gerichtlichen Klage als aussichtslos. Und mit den vereinnahmten „Bearbeitungsgebühren“ sind die Täter inzwischen schon längst über alle Berge.


