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Gaspreise nicht gesenkt. Netze nicht geöffnet: Kunden verhöhnt


Zwar hat es den Anschein, als könnten die Gaskunden jetzt endlich den Anbieter wechseln. Dieses Bild täuscht aber. Denn ein Wechsel ist erst in wenigen Regionen möglich. Der Bund der Energieverbraucher rät dazu, entweder in einen günstigeren Tarif des eigenen Anbieters zu wechseln oder besser noch die gesetzliche Möglichkeit zur Kürzung der verlangten Preise zu nutzen.

Drei gute Gründe für deutliche Gaspreissenkungen

Die Gaspreise für Haushalte sind laut dem Internetportal Verivox in den vergangenen Monaten nur in Einzelfällen und sehr geringfügig gesunken. Der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher Dr. Aribert Peters äußert sich deshalb kritsch: „In den vergangenen Monaten sind die Importpreise um fast 0,1 Cent je Kilowattstunde gesunken, die Netzentgelte wurden durch die Netzagentur um etwa 0,3 Cent gesenkt und zudem sind die Preise ohnehin um mindestens 1,4 Cent zu hoch. Das sind drei gute Gründe für eine spürbare Gaspreissenkung. Tatsächlich sinken die Preise um einen kaum spürbaren Betrag. Damit wird der berechtigte und gesetzlich verbriefte Anspruch der Verbraucher auf angemessene Gaspreise ignoriert, die Kunden werden verhöhnt.“ Peters empfiehlt, die geforderten Gaspreise nach Ankündigung deutlich zu kürzen.

Beispiel EWE Oldenburg

Die Oldenburger EWE zum Beispiel hat seit Mai 2003 die Gaspreise um insgesamt 1,51 Cent/kWh netto erhöht, während die Erdgasimporte in diesem Zeitraum um lediglich 0,93 Cent/kWh gestiegen sind. Die EWE hat ihren Jahresüberschuss 2006 verdoppelt.

E-wie-einfach

Es gibt erst ein bundesweites Angebot für Gaslieferung an Haushaltskunden: Das der E.on-Tochter „E-wie-einfach“. Der Lieferbeginn wurde für Anfang April 2007 angekündigt. Es bleibt abzuwarten, ob, wann und in welchen Gebieten nun wirklich Gas an Kunden geliefert wird. Preislich ist dieses Angebot nur bedingt attraktiv, denn es liegt oft über dem günstigsten Angebot des örtlichen Versorgers.

Die Firma DEH bietet Gas unter dem Namen Klickgas in Berlin und Deidesheim an, zu einem für zwei Jahre konstanten Preis. Die DEH ist eine 100% Tochter der Thüga, die wiederum eine E.on Tochter ist. Thüga ist auch am Berliner Gasanbieter GASAG beteiligt. In Berlin macht sich E.on mit Klickgas also praktisch selbst Konkurrenz.

Unter der Bezeichnung „Novagas“ bietet die Mainova AG Gas seit 2007 auch in Bonn an, dem Sitz der Bundesnetzagentur und des Bundeskartellamtes. Die Mainova AG gehört zu 24 % der E.on-Tochter Thüga. Warum diese E.ON-Tochter ausgerechnet in Bonn Gas anbietet, kann nur vermutet werden.

In Berlin und Hamburg bietet auch der holländische Versorger Nuon Gas an. Lediglich bei einem hohen Jahresverbrauch ist Nuon günstiger als der Berlin Versorger Gasag. In Hamburg ist Nuon durchweg günstiger als als der günstigste Tarif von E.on Hanse, außerdem gibt es dort zwei weitere Gasanbieter (Stadtwerke Barmstedt und Stadtwerke Wedel). Der Geschäftsführer der deutschen Nuon Thomas Mecke war 1990 bis 1990 in leitender Position bei RWE beschäftigt.

Der südhessische Energieversorger Entega bietet in seinem Versorgungsgebiet einen Tarif „Clever“ an, der die Gaspreise nach oben bis 2008 deckelt, Preissenkungen nach unten jedoch erlaubt, wenn der Normaltarif sinkt. Entega hat durch seine Vertriebstochter e-ben im Umkreis ihres Netzgebiets günstigere Gaspreise angeboten als seinen Kunden im eigenen Netzgebiet. Das hat das Landgericht Frankfurt untersagt (Az: 2-06 O 476/06 und 2-06 O 469/06). Die Kunden im Entega-Netzgebiet können auf Gaspreisen bestehen, die ihr Gasanbieter auch auswärtigen Kunden anbietet.

Nach Zeitungsberichten bereiten die Stadtwerke Hannover AG die bundesweite Einführung einer Gasmarke mit dem Namen „Gas&Fix“ vor. Dies ist für Herbst 2007 geplant. Die Preise der großen Energieversorger sollen dabei unterboten werden.

Wer sich über die Gasangebote in seiner Region informieren will, kann zum Beispiel im Internet den Gastarif-Rechner Verivox nutzen.

Während beispielsweise in Holland, Großbritannien und Österreich Verbraucher ihren Gasversorger frei wählen können, sind wir in Deutschland davon noch weit entfernt. Die Haushaltsgaspreise liegen in Deutschland ohne Steuer um zehn Prozent über dem EU-Durchschnitt. In Großbritannien zahlen Haushalte für Gas einschließlich Steuern 4,76 Cent, in Österreich 6,20 Cent und in Deutschland 6,76 Cent je Kilowattstunde (Quelle: Energy Advice, Stand Januar 2007).

Von Martina Grau/bde, 24. April 2007; Quelle: bde/Bund der Energieverbraucher
Kategorie: Strom & Gas
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Kommentare: 1 Kommentar vorhanden
  • Kommentar von Eernst Biewer am 17. Dez 2007

    Solange die Gasanbieter aus dem eigenen Land kommen,entsteht kein wirklicher Wettbewerb. Die Preise sind abgesprochen,die Gebiete verteilt,die Anbieter gehören meist immer dem gleichen Konzern.
    Erst wenn ein Europaweiter Gashandel entstehen würde,käme ein echter Wettbewerb in Gang.
    Auf unsere Regierung zu hoffen ist zwecklos, die hängen da auch,über die kommunalen Stadtwerke mit drin.
    Ich hoffe auf die EU,die könnte den starren Gasmarkt aufbrechen,wie auch bei Strom.
    Jetzt zeigt sich daß es falsch war vom Kartellamt, zuzulassen ,daß sich so große,den Markt beherschende Konzerne, entstehen konnten,die jetzt ungestraft ihre Macht ausnutzen, um immer mehr Profite auf Kosten der Bürger und der Wirtschaft zu machen und sich damit zum größten Preistreiber zu entwickeln.
    Als Folge wird die EZB irgenwann die Zinsen erhöhen und das wird dann zur Folge haben, daß Arbeitsplätze verloren gehen,weil die Wirtschaft schrumpft.
    na toll !

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