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Stichprobe bei Verbraucherforen im Internet: Mangelhafte Meinungen! – Private Produkttests sind absolut unbrauchbar


Verbraucherforen im Internet boomen. Die Verbraucherzentrale NRW hat Produktbewertungen bei den virtuellen Meinungsbörsen ciao.de und dooyoo.de überprüft – neun von zehn erwiesen sich als unhaltbar.

Die Idee ist simpel. Wer ein Produkt gekauft oder benutzt hat, kann auf den Seiten von Ciao und Dooyoo seine Meinung äußern – um so anderen Verbrauchern bei der Kauf-Entscheidung zu helfen. Die Bewertung erfolgt per Sternen-Vergabe: Ein Stern steht für miserabel, fünf Sterne bedeuten „Spitzenprodukt”.

Wer mag, und das sind die meisten, kann zudem einen Bericht schreiben – mit der Aufzählung aller aufgefallenen Vor- und Nachteile. Als Fazit gibt es eine Kaufempfehlung – oder eine Warnung.

Die Verbraucherzentrale hat sich einige der Kommentare und Bewertungen genauer angeschaut. Ausgewählt wurden dazu zehn Produkte, die die Stiftung Warentest mit „mangelhaft” beurteilt hat. Neun der zehn Durchfaller wurden in den Meinungsportalen teils hymnisch gefeiert. Lediglich bei einem DVD-Rekorder zeigte der Daumen der Hobby-Tester ebenfalls nach unten. Bei 4,1 von fünf Sternen lag bei Ciao die durchschnittliche Wertung aller zehn Produkte, bei Dooyoo sogar mit 4,2 noch einen Tick höher.

Ein erschreckendes Ergebnis. Denn die Foren sind ein wichtiger Multiplikator. Dooyoo beispielsweise zählt 450.000 Mitglieder. Eine Million Erfahrungsberichte über eine halbe Million Produkte liegen auf den Servern – von Digitalkameras bis Winterreifen, von Gummipuppen bis Rentenversicherungen.

Die Krux der Portale kennen die Macher genau. So heißt es bei Dooyoo: „Wenn ein Unternehmen zehn Leute über Deutschland verteilt, kann man das System hintergehen. Wir kriegen so etwas hin und wieder mit.” Nicht verwunderlich daher, dass Noten von Stiftung Warentest und Laien-Testern oft extrem auseinander klaffen.

So beurteilten die Berliner Tester etwa einen Entsafter als „zu laut”- ein Ciao-User hingegen lobt das Gerät als „ausgesprochen leise”. Ein Sprudel wiederum, dem von der Stiftung „deutliche geschmackliche Fehler mit einer Kunststoff- und Karbonnote” attestiert wird, bewirbt ein Ciao-Tester als „durchaus frisches Wasser, das nicht so streng schmeckt”.Auch ein Ananassaft, laut Stiftung Warentest mit einem „ananasuntypischen Geschmack, der auf „verdorbene Früchte” hindeute, schmeckt bei einem Dooyoo-Tester plötzlich „wirklich nach Ananas”.

Dass Laien-Bewertungen nicht nur irreführend, sondern mitunter auch gefährlich sein können, zeigt das Beispiel einer Friteuse, die einen Hobby-Bewerter zu euphorischem Lob animierte: „Fett satt, ich habe inzwischen fast alle Bewusstseinsstufen der Frittierwissenschaften durchlaufen.” Unisono 48-mal wurde in beiden Portalen zum Kauf aufgefordert – bei einer Traumnote von fünf Sternen. Im Labor entdeckte die Stiftung Warentest eher einen Alptraum. Was die Laien-Tester nicht wissen konnten: Die Friteuse liegt bei den Acrylamid-Werten weit über der Norm und ist damit gesundheitsgefährdend.

Von Bernhard Rais/vz-nrw, 20. August 2005; Quelle: vz-nrw
Kategorie: Einkaufen
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