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Lebensmittel müssen preiswert sein, nicht billig – Discounter oder Bio-Laden – alles Qualität?


Qualität soll’s schon sein, so der Verbraucherwunsch beim Lebensmitteleinkauf. Aber wie erkennt man sie? Seit Jahrzehnten wird den Kunden suggeriert, alles sei von hoher Qualität. Kein Wunder also, dass für 62 % der Bundesbürger der Preis das entscheidende Kaufkriterium ist. Bio-Landbau und Fairer Handel können da leicht auf der Strecke bleiben. Die Jagd nach den billigsten Einkaufsquellen ist inzwischen für breite Bevölkerungsschichten zum Sport geworden. Nicht nur die, die es wirklich nötig haben, sondern auch Normal- und Besserverdienende lassen Discounter wie Aldi, Lidl & Co. expandieren.

Hierzulande kosten Lebensmittel wohl so wenig wie nirgends sonst in Westeuropa. „Immer billigere Lebensmittel müssen früher oder später zu Qualitätseinbußen führen“, gibt Uta Viertel von der Verbraucherzentrale Sachsen zu bedenken. Qualitativ hochwertige Zutaten werden gegen billigere Rohstoffe ausgetauscht. Leistungsförderer wie Antibiotika in der Tiermast oder Missstände in der Tierhaltung sind Folgen des Niedrigpreiswahns.

Selbst beim Verkauf von Frischobst und -gemüse stieg der Anteil der Discounter seit 1992 von 15 auf 41%. Allerdings liegen Welten zwischen der großen Sortenvielfalt im Obst- und Gemüseanbau und dem eingeschränkten Angebot bei Discountern. Geschmacksvielfalt kommt da oft zu kurz. Kontrollen bei Erdbeeren, Weintrauben und Paprika aus konventionellem Anbau belegen immer wieder Belastungen mit Pestizidrückständen. Wo aber kauft der Verbraucher Qualität, wenn beim Discounter die gleichen Markenprodukte liegen wie bei Tante Emma und No-Name-Produkte vielleicht auch noch vom gleichen Markenhersteller kommen und selbst Bio-Produkte inzwischen über Discounter vermarktet werden? „Qualität kann es überall geben“, so die Verbraucherschützerin.

„Man muss sie nur erkennen können“. Die Qualität eines Lebensmittels wird eben nicht nur durch Frische, Geschmack, Aussehen und Nährstoffgehalt bestimmt, sondern auch durch sozioökonomische Kriterien sowie durch Umwelt- und Tierschutzaspekte. Die Art der Lebensmittelproduktion beeinflusst Boden, Wasser, Luft, Klima, Landschaftsbild und die Wirtschaft. „Regionale Produkte bedeuten auch regionale Arbeitsplätze“, so die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale.

Verbindliche Produktionsvorschriften und Kontrollen können nachvollziehbare Sicherheit bringen. So stehen die Bio-Siegel beispielsweise für Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, tiergerechtere Haltung und für den Verzicht auf Gentechnik. „Verbraucher müssen sich an der Kennzeichnung orientieren können“, fordert Viertel. Dazu gehören auch Informationen über Herkunft und Produktionsweise. Nur dann können sie mit ihrer Kaufentscheidung bestimmen, in welcher Qualität sie die Lebensmittel im Handel vorfinden. Informationen zu Siegeln für Lebensmittel aus Sachsen und zu Produkten aus dem Fairen Handel erhalten Interessierte bei den Ernährungsberaterinnen der Verbraucherzentrale Sachsen, Tel. 0180-5-79 13 52 (0,12 €/Min.).

Von Verena Rais/vz-s, 23. September 2005; Quelle: vz-s
Kategorie: Haushalt & Garten
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