Laufen ist gesund, stärkt den Körper und hält fit. Jetzt gibt es noch einen Grund mehr, im Frühling die Laufschuhe zu schnüren, denn Joggen kann offenbar sogar vor Augenkrankheiten schützen. Diesen Schluss legen jedenfalls aktuelle amerikanische Untersuchungen von Paul T. Williams vom Lawrence Berkeley National Laboratory nahe. Danach kann jeder täglich gelaufene Kilometer das Risiko, an Grauem Star oder an Makula-Degeneration (AMD) zu erkranken, deutlich senken. Weitgehend unklar ist allerdings noch, worauf der beobachtete Zusammenhang zurückzuführen ist.
Der kalifornische Wissenschaftler wertete Daten einer landesweiten Studie mit mehreren Zehntausend Teilnehmern aus, die in Fragebogen Auskunft über ihre Gesundheit sowie ihre Sport- und Lebensgewohnheiten gaben. Für seine aktuellen Studien nahm er diese Angaben von etwa 29.000 Läufern und 12.000 Läuferinnen unter die Lupe, die sieben Jahre nach Studienbeginn erneut befragt worden waren.
Bei 733 Läufern und 179 Läuferinnen war zwischenzeitlich ein Grauer Star festgestellt worden. Williams stellte einen Zusammenhang des Erkrankungsrisiko mit der Leibesfülle (gemessen am BMI = Body Mass Index) fest: Bei übergewichtigen Teilnehmern war die Wahrscheinlichkeit, am Grauen Star zu erkranken, fast 90 Prozent höher als bei anderen. Erstaunlich aber war, dass, unabhängig von diesem Faktor, jene Männer, die pro Woche mindestens stolze 64 Kilometer liefen, ein 35 Prozent geringeres Risiko für die Graue-Star-Krankheit aufwiesen als jene, die es auf höchstens 16 Kilometer brachten. Bei den Frauen war die Fallzahl mit 179 Betroffenen zu gering, um eine gesicherte wissenschaftlich-seriöse Aussage zu treffen.
Ein ähnliches Ergebnis bot sich Williams bei der Untersuchung der Altersbedingten Makula-Degeneration (AMD), einem allmählichen Absterben von Sinneszellen im Zentrum der Netzhaut. Davon waren zwischenzeitlich 110 Männer und 42 Frauen betroffen. Im Einklang mit früheren Studien registrierte der Forscher dabei, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit zum einen mit dem Alter und zum anderen mit der Höhe des Zigarettenkonsums stieg, dagegen mit dem vermehrten Verzehr von Obst sank. Unabhängig davon ergab sich auch ein Zusammenhang zwischen gejoggten Kilometern und der AMD-Augenkrankheit: Mit jedem täglich gelaufenen Kilometer sank das Erkrankungsrisiko um etwa zehn Prozent. So lag es bei Frauen und Männern, die im Schnitt zwei bis vier Kilometer pro Tag schafften, 19 Prozent niedriger als bei denen, die weniger als zwei Kilometer täglich joggten. Bei den Vielläufern mit einem über vier Kilometer langen Laufpensum pro Tag ermittelte Williams sogar ein um 45 bis 54 Prozent geringeres AMD-Risiko.
Dass eine sportliche Ausdauerbelastung sogar bei normalsichtigen Menschen das Sehen zumindest kurzfristig verbessern kann, hatten in der Vergangenheit auch andere kleinere Studien gezeigt. Außerdem kann Sport laut Experten das Fortschreiten einiger Augenkrankheiten verlangsamen, zum Teil sogar verhindern – was allerdings nicht für die Kurz- oder Weitsichtigkeit gilt. Besonders Menschen mit Durchblutungsstörungen empfehlen Augenärzte, Ausdauersport zu treiben. Langsames Joggen ist dabei sinnvoller als übertriebenes, leistungsbezogenes Laufen.
Quellen: Paul T. Williams: Prospective Epidemiological Cohort Study of Reduced Risk for Incident Cataract with Vigorous Physical Activity and Cardiorespiratory Fitness during a 7-Year Follow-up, veröffentlicht in: Investigative Ophthalmology and Visual Science, Vol. 50(1), pp 95-100, DOI 10.1167/iovs.08-1797 www.iovs.org/ Paul T. Williams: Prospective Study of Incident Age-Related Macular Degeneration in Relation to Vigorous Physical Activity during a 7-Year Follow-up, veröffentlicht in: Investigative Ophthalmology and Visual Science, Vol. 50(1), pp 101-106, DOI 10.1167/iovs.08-2165 www.iovs.org/


