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Arzneimittelpreise in der EU – Deutschland ist Spitzenreiter – Wer sparen will kauft im europäsichen Ausland


Als Gründe für unser praktiziertes Arzneimittelsystem werden immer die Medikamentensicherheit und der Schutz vor Missbrauch angegeben. Der Patient soll sich zuerst vom Arzt fachmännisch beraten lassen und erhält dann ein Rezept. Bis vor kurzem wurde dies über die Maßen strapaziert, zumal der Patient alle Medikamente von der Kasse bezahlt bekam. Doch dem Medikamentenmissbrauch wurde damit kein Einhalt geboten.

Nach Einschätzungen von Prof. Gerd Glaeske leiden ca. 1,5 Millionen Deutsche unter Arzneimittelabhängigkeit. Jetzt, wo der Kunde einen erheblichen Anteil an den Arzneikosten unmittelbar mittragen muss, steigt so manchem die Zornesröte ins Gesicht.

Früher brauchte der Patient in der Apotheke keinen Selbstanteil zu zahlen, dies wurde voll von der Kasse übernommen. Rechnet man zu diesem Selbstanteil die Gebühren für die ärztliche Konsultation nebst Rezeptausstellung, so kommen dem Kranken und den Kassen die Medikamente wesentlich teuerer als im europäischen Ausland.

Seinerzeit wurde geschickt vermieden, dem Patienten die tatsächlichen Abrechnungen und Kosten darzulegen, um ihm zu suggerieren, er müsse es ja nicht zahlen. Dass jeder Patient aber durch die Krankenkassenbeiträge gezwungen ist, Misswirtschaft, falsche Abrechnungen und den Medikamentenmissbrauch anderer mitzutragen, wurde verschwiegen. Wer also glaubte, die Medikamente, die er im heimischen Medikamentenschrank hortete, seien kostenlos, der muss spätestens heute bitter erfahren, dass dem nicht so war. Wenn es jetzt allerdings gerechter scheint, wo der Kranke für seine Medikamente selbst aufkommt und nicht der Gesunde für ihn mit. Dennoch ist unser Gesundheitssystem immer noch zu teuer und viel zu sehr auf einen hohen Umsatz und Verdienst von Pharmaindustrie, Ärzten und Apotheken bedacht.

So entfällt auf den Apothekeneinkaufspreis bei verschreibungspflichtigen Medikamenten eine Pauschale von 8,1 €, was billige Arzneien enorm verteuert, teure allerdings verbilligt. Im europäischen Ausland ist das besser geregelt:

Nicht nur, dass der Arzt den Patienten besser über den Umgang mit Medikamenten aufklärt, so sind viele Pharmazeutika, die in Deutschland rezeptpflichtig sind, im Ausland lediglich apothekenpflichtig. Außerdem sind sie ohne vorhergehende Konsultation beim Arzt, frei in Apotheken käuflich. Eigenartigerweise findet in den EU-Nachbarländern trotz dieses liberalen Handels, weit weniger Medikamentenmissbrauch statt, als in der Bundesrepublik Deutschland.

Kann das an der Geheimnistuerei deutscher Mediziner liegen, die den Patienten für unmündig halten und ihn nicht genügend medizinisch aufklären? Oder liegt es daran, dass deutsche Ärzte und Apotheker einfach geldgieriger sind? Fakt ist, dass das Preisgefälle zwischen Deutschland und anderer EU-Länder mittlerweile so weit führt, dass manche Krankenkassen empfehlen, teuere Medikamente im Ausland zu kaufen.

In Spanien kosten folgende Medikamente ohne Rezept, da nicht erforderlich, folgendes:

  • 1 Packung mit 12 Tabletten Doxicyclin zu je 100 mg für 3,32 € die Packung. (in Deutschland verschreibungspflichtig; 10 Tabletten zu 10,7 €)
  • 1 Packung mit 24 Kapseln Amoxicillin zu je 500 mg zum Preis von 3,43 € je Packung. (in Deutschland verschreibungspflichtig; 20 Kapseln zu 15,30€)
  • 1 Packung mit 20 Kapseln Metamizol zu je 500 mg zum Preis von 2,54 € die Packung. (in Deutschland verschreibungspflichtig; 20 Kapseln zu 11,16 €)
  • 1 Packung Acetylsalicylsäure mit 20 Kapseln zu je 500 mg für 1,32 € die Packung (in Deutschland apothekenpflichtig; 20 Tabletten zu 2,30 €)
  • 1 Packung mit 50 Tabletten Magnesiumlactat zu je 404 mg zum Preis von 4,48 € die Packung. (in Deutschland apothekenpflichtig; 100 Kapseln zu 90 mg für 7,80 €)

Ein apothekenpflichtiges Arzneimittel gegen Kopfschuppen kostet in Deutschland rund 14 Euro. In Spanien erhält man für den gleichen Preis zwei Packungen mit doppelt so viel Inhalt. In Deutschland ist das Produkt demnach um 400 % teurer.

Bei den genannten Präparaten handelt es sich wohlgemerkt jeweils um den selben Pharmahersteller oder zumindest um einen Vergleichbaren. Es wurden immer Originalpräparate mit Originalpräparaten verglichen und Generika mit Generika.

Rechnet man zu den verschreibungspflichtigen Arzneien die Rezept- und Arztkosten hinzu (als Minimum 25 Euro), so muss der Bundesbürger bis zu 500 % mehr für seine Arzneien zahlen als der Eu- Bürger in Spanien, Frankreich, Italien oder Holland. Man muss allerdings hinzufügen, dass in Deutschland bei größeren Abpackungen sich der Preis nicht mehr wesentlich erhöht. Es trifft demnach nicht zu, dass z.B. beim Doxicyclin 20 Tabletten 21,40 € kosten, sondern lediglich 12,30 €. Der Kunde wird also animiert Großpackungen zu kaufen, was die Pharmaindustrie freut und die Vorratshaltung fördert. Wenn die Medikamente dann verfallen sind, werden sie einfach im Müll entsorgt und reichern unser Wasser mit Antibiotika und anderen Stoffen an.

Kein Wunder, dass immer mehr Resistenzen gegenüber Antibiotika entstehen und andererseits Internetapotheken wie Pilze aus dem Boden schießen. Eine Liberalisierung des Arzneimittelmarktes und bessere Aufklärung täten not. Wir können uns kein Gesundheitssystem leisten, in dem es nur um den Wohlstand von einzelnen Lobbys geht, wo eine Kassenärztliche Vereinigung, die aus Ärzten besteht, die Abrechnungen ihrer Kollegen überprüft und den Krankenkassen keinen Einblick gewährt. (Autor: Andreas Manuel Gruß)

Von Bernhard Rais/agruss, 7. August 2005; Quelle: agruss
Kategorie: Gesundheit & Ernährung
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