Mindestens 10.000 Deutsche leiden schon an “Multipler Chemikalien Sensitivität”
Durch Chemikalien geschädigte Bürger sollten sich zusammenschließen und gemeinsam gegen Chemiekonzerne klagen. Dies rät der Frankfurter Umweltrechtler Professor Erich Schöndorf in einem Interview mit dem Greenpeace Magazin. Zugleich wirft er seinen Kollegen aus der Justiz vor, vor der chemischen Industrie zu kuschen: “Die obrigkeitshörigen Juristen trauen sich nicht an Konzerne heran, deren Produkte Menschen vergiften.” Es fehle nicht an Paragraphen, sondern am Mut seiner Standeskollegen, geltendes Recht anzuwenden.
Scharfe Kritik übt Schöndorf, ehemaliger Staatsanwalt im bundesweit beachteten Frankfurter Holzschutzmittelprozeß, in dem Interview auch am Bundesgerichtshof. Die Richter hätten dem Druck der Chemieindustrie nachgegeben und das Urteil gegen zwei Ex-Manager des Holzschutzmittelherstellers Desowag wegen 29facher Körperverletzung kassiert. “Die Faktenlage”, so Schöndorf, “hat nicht ausgereicht, das Frankfurter Urteil aufzuheben.”
In der gleichen Ausgabe präsentiert das Greenpeace Magazin den Nachweis, daß sogenannte “Chemisch Verletzte” tatsächlich körperliche Schäden durch Chemiegifte davontragen. Der amerikanische Toxikologe und Hirnforscher Professor Gunnar Heuser weist mit neuen computergestützten Analysemethoden bei Patienten Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen im Gehirn nach, die er eindeutig auf Chemikalienbelastungen zurückführt. Von Schulmedizinern werden solche Opfer häufig als Psychopathen verunglimpft. Inaktive Hirnbereiche fand der Spezialist aber nur bei Chemikalienopfern, nicht jedoch bei psychisch Kranken. Heuser wörtlich: “Viele weinen, wenn sie im meiner Praxis die Bilder (ihres Gehirns) sehen.”
Im Gegensatz zur Bundesrepublik ist in den USA die Anerkennung des Krankheitsbildes der sogenannten “Multiplen Chemikalien Sensitivität (MCS)” schon weit fortgeschritten. Die 10.000 in Deutschland registrierten MCS-Kranken hingegen stoßen auf Ablehnung und Unverständnis bei Schulmedizinern, Politikern und Industrie. Dabei, schätzen Fachleute, wird das Problem der vielfachen Chemikalienunverträglichkeit weiter zunehmen. “Die Dunkelziffer ist erheblich höher”, sagt Werner Maschewsky, Professor für Sozialmedizin an der Fachhochschule Hamburg. Umweltmediziner schätzen, daß bereits ein bis zwei Prozent der Deutschen an Formen von MCS leiden.
Quelle: Greenpeace


