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Kostenloser Wintergarten – In Wirklichkeit nur Bauernfängerei


Was sich zunächst wie ein Märchen aus 1001er Nacht anhörte, ist für zahlreiche Betroffene in Niedersachsen inzwischen zum schaurigen Albtraum geworden: Der Wintergarten zum Nulltarif, mit dem die Firmen IBRO-Bau, Exakta oder Exclusiv-Studio hausieren gehen. Am Ende entpuppen sich deren mündlichen Versprechungen regelmäßig als Fata Morgana, zurück bleiben jedoch knallharte Verträge über 60.000 bis 100.000 Mark!

Der Albtraum beginnt nach den Erkenntnissen der Verbraucherzentrale Niedersachsen mit einem nicht erbetenen Telefonanruf, der wettbewerbswidrig ist und von der VZN gegenüber IBRO-Bau inzwischen auch abgemahnt wurde. Wer sich überrumpeln lässt und einem Hausbesuch zustimmt, hat bald den ersten Vertreterfuß in der Tür. Das Opfer wird mit Hochglanzprospekten „angefüttert“ und davon überzeugt, es sei geradezu ein Kinderspiel, ohne Bezahlung an einen Wintergarten zu kommen: Einfach ein paar Prospekte in der Nachbarschaft verteilen, ein bisschen Werbung machen und den eigenen Wintergarten für Besucher öffnen.

Allerdings sei die Konkurrenz groß, so dass man schon etwas Glück brauche, ausgewählt zu werden. Vom Wintergarten selbst ist beim ersten Besuch nur am Rande die Rede; im Vordergrund stehen die angeblichen Verdienstmöglichkeiten durch die Werbemaßnahmen. Der entscheidende Punkt ist jedoch, einen weiteren Vertreterbesuch zu vereinbaren, bei dem dann – natürlich kostenlos – der Vertrag ausgehandelt werden soll, falls man zu den Glückspilzen gehört, die für das Projekt ausgewählt werden. Der „Glücksfall“ tritt ein und wenige Tage später kommt die Bitte, schriftlich einen Vertreter zu bestellen, um den Deal in trockene Tücher zu bringen.

Mit diesem Trick versuchen die Firmen das Haustürwiderrufsgesetz zu unterlaufen. Jürgen Rosner von der VZN rät den Betroffenen, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Denn tatsächlich seien Vertreterbesuche mitunter eindeutig provoziert worden, ohne dass die Verbraucher frei entscheiden konnten. Sie wurden vielmehr mit einer ausgeklügelten Strategie am „Nasenring“ angeblicher Verdienstmöglichkeiten dazu gebracht, den Vertreter zu bestellen und zu unterschreiben. Den Betroffenen bleibt keine Chance zum Preisvergleich, da das konkrete Angebot erst kurz vor der Unterschrift präsentiert wird. Und erst wenn sie danach ihre Unterlagen studieren, stellen sie ernüchtert fest, dass es für die Präsentation des Wintergartens keine müde Mark gibt, sondern nur für die Vermittlung neuer Vertragsabschlüsse.

Die Firmen wollen von ihren mündlichen Zusagen später nichts mehr wissen, sondern beharren auf den abgeschlossenen Verträgen. Jürgen Rosner geht allerdings davon aus, dass sich Gerichte hier zu Gunsten der Verbraucher entscheiden werden, vor allem, wenn nachzuweisen ist, dass die Überrumpelung strategisch geplant wurde; und dies kann die Verbraucherzentrale mit zahlreichen Fällen belegen. Die VZN prüft außerdem, ob hier nicht auch noch eine verbotene Laienwerbung nach dem Schneeballsystem im Spiel ist. So verspreche beispielsweise die Firma Exclusiv eine zusätzliche Provision für die Vermittlung von Kunden, die ihrerseits wieder Vermittlungsverträge abschließen.

Wenn jedoch auch nur ansatzweise Einnahmen aus Werbe- und Vermittlungstätigkeiten erzielt werden sollen, muss jeder Vermittler ein großes Revier abgrasen. Doch wie soll er auf einen grünen Zweig kommen, wenn ihm die eigenen Nachbarn Konkurrenz machen? Hier verengt sich der Markt ganz automatisch, allein zu Nutz und Frommen der Anstifter. In diesem Fall allerdings – so die Verbraucherzentrale Niedersachsen – wären die geschlossenen Verträge von vorne herein hinfällig. Betroffene sollten sich an die nächstgelegene Beratungsstelle wenden oder sich unter 0190 79 79-02 telefonisch vorinformieren (2,42 DM/Min.)

Eine Information der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt e.V.

Von Verena Rais, 4. Mai 2001;
Kategorie: Sonstige Meldungen
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