Sie sind hier:     Startseite > Finanzen > Baufinanzierung > Meldung vom 13. August 1999

Baunebenkosten – Ein beachtlicher Posten in der Gesamtfinanzierung


Wer in seiner Baufinanzierung nur den Preis fürs Grundstück und Haus bzw. Eigentumswohnung berücksichtigt, läuft Gefahr, ein finanzielles Fiasko zu erleben, denn die notwendigen Nebenkosten machen ca. 8 – 10 % des Gesamtaufwandes aus.

Zu Beginn der finanziellen Planung können die Angaben zu den einzelnen Posten nur sehr pauschal sein. Je weiter das Vorhaben vorangetrieben wird, umso genauer lassen sich die Nebenkosten beziffern. Jedoch sollte man bevor verläßliche Zahlen vorliegen, eher großzügig planen.

Maklercourtage: 7 % des Grundstückskaufpreises

Wird der Grundstückskauf durch einen Immobilienmakler vermittelt, so wird in der Regel eine Courtage fällig. In Mecklenburg-Vorpommern werden meist 6 % + Mwst, im übrigen der von Gerichten als obere Grenze akzeptierte Satz, verlangt.

Kosten der Eigentumsumschreibung: 1,5 % des Kaufpreises

Der Grundstückskaufvertrag bedarf der notariellen Beurkundung. Für die Leistung berechnet der Notar Gebühren nach der Notarordnung. Die Grundbucheintragung wird vom Grundbuchamt ebenfalls mit einer Gebühr belegt. Für die Planungsphase sollten für diese Posten ca. 1,5 % des im Notarvertrag genannten Gegenstandwertes veranschlagt werden

Sicherheitsbestellung: 0,5 % des Darlehensbetrages

Keine Bank reicht größere Darlehen ohne Sicherheit aus. Die klassischen Sicherheitsmittel in der Baufinanzierung sind Hypotheken und Grundschulden. Die Eintragung der Grundschuld wird über einen Notar abgewickelt. Dieser stellt den entsprechenden Antrag an das Grundbuchamt. Für diese Leistung werden durch Notar und Grundbuchamt ca. 0,5 % des Darlehensbetrages als Gebühr verlangt.

Grunderwerbssteuer: 3,5 % des Kaufpreises

Am Immobilienerwerb ist der Staat mit der Gewerbesteuer beteiligt. 3,5 % des Gegenstandwertes werden durch das Finanzamt eingefordert. Soweit die Nebenkosten für den Erwerb der Immobilie und für die Besicherung eines erforderlichen Darlehens. Weitere z. T. erhebliche Kosten fallen als Baunebenkosten an.

Erschließungskosten

Ohne Strom, Gas, Wasser, Abwasser oder Telefon läßt sich ein Eigenheim nicht bewohnen. Die Erschließung mit diesen Medien verursacht z. T. erhebliche Kosten, die individuell sehr unterschiedlich sind. Hier hilft nur, den Erschließungsgrad des ins Auge gefaßten Grundstücks festzustellen und bei den entsprechenden Versorgungsbetrieben oder der Gemeinde die voraussichtlichen Kosten zu erfragen.

Hausanschlußkosten

Als voll erschlossen gilt ein Grundstück, wenn die Ver- und Entsorgungsleitungen bis an die Grundstücksgrenze herangehen. Für den Anschluß des Hauses werden nochmals pauschale Entgelte erhoben. Solange von den Versorgungsbetrieben keine Angaben vorliegen, sollten pro Medium € 2.000 eingeplant werden.

Kosten der Außenanlagen

Auch dieser Posten ist individuell sehr unterschiedlich. Beträge unter € 5.000 sind aber eher unrealistisch.

Nebenkosten entstehen auch im Zusammenhang mit der Finanzierung, soweit ein Kreditgeber eingeschaltet ist.

Bearbeitungskosten: bis 1 % der Darlehenssumme

Für die Bearbeitung Ihres Darlehensantrages verlangen einige Kreditgeber Bearbeitungsentgelte. Diese betragen von 0 bis 1 %. Über diese Kosten sollte man mit Nachdruck verhandeln. Eine Reihe von Kreditinstituten verzichten auch auf dieses Entgelt.

Schätz- / Einwertungskosten: bis 0,5 % des Darlehens

Kreditinstitute sind gesetzlich verpflichtet, für herausgegebene Darlehen in einem bestimmten Umfang Sicherheiten zu verlangen. Um dieses Verhältnis Darlehen zu Sicherheit (Verkehrswert der Immobilie) festzustellen, ist die Ermittlung des Verkehrswertes Voraussetzung. Für diese Leistung werden Kosten von bis zu 0,54% der Darlehenssumme verlangt. Eine Merkwürdigkeit in diesem Zusammenhang: Obwohl der Verbraucher dieses „Verkehrswertgutachten“ bezahlt, hat er keinen Anspruch auf Herausgabe. Auf jeden Fall sollte dieser Posten auch ausdrücklich in die Verhandlung einbezogen werden.

Bereitstellungskosten: 0,25 % p. m.

Wird der Darlehensvertrag geschlossen, so muß sich Ihr Kreditgeber refinanzieren, d. h. er muß sich das Geld irgendwo besorgen. Die klassische Form der Refinanzierung einer Hypothekenbank sind Hypothekenpfandbriefe. Für die Refinanzierung muß die Bank ebenfalls Zinsen zahlen und diese werden nach einer Karenzzeit von 1 bis 6 Monaten an den Kreditnehmer weitergegeben. Dieser Zins von 0,25 % p. m. wird von der Bank also auf den noch nicht ausgezahlten Darlehensbetrag erhoben.

Teilauszahlungszuschläge:

Teilauszahlungszuschläge verlangen Kreditinstitute, wenn der Darlehensbetrag nicht auf einmal, sondern in mehreren Raten ausgezahlt wird. Typisches Beispiel sind Ratenzahlungen nach Baufortschritt. Wer also z. B. 10 Raten in seinem Bauvertrag vereinbart hat, zum eigenen Schutz vor finanziellen Folgen von Baupleiten sehr gut, bezahlt an seinen Kreditgeber entweder ein pauschales Entgelt oder der Zinssatz für die Gesamtfinanzierung wird um bis zu 0,1 % erhöht.

Kontoführungskosten

Für die Führung Ihres Darlehenskontos verlangen einige Kreditinstitute jährliche Kontoführungsentgelte, z.B. € 25 p.a. .

Verwaltungskostenbeiträge

Auch öffentliche Kreditgeber, z. B. das Landesförderinstitut, verlangen Verwaltungskostenbeiträge.

Nebenkosten kann der Bauherr also nicht als nebensächlich abtun. Sowohl die anfänglichen Einmalkosten (Makler, Notar usw.) als auch die laufenden Nebenkosten während der Bauphase (z. B. Bereitstellungszinsen) und auch die zusätzlichen Kosten über die gesamte Finanzierung müssen Beachtung finden.

Da diese Nebenkosten während der Vorbereitungsphase oft nicht genau beziffert werden können, müssen Richtwerte benutzt werden und es sollte der Grundsatz gelten, daß eine „großzügige“ Planung zukünftige Probleme verhindern hilft.

Von Verena Rais, 13. August 1999;
Kategorie: Baufinanzierung, Strom & Gas
1 Kommentar abgegeben! Meldung jetzt kommentieren »
Zu Mister-Wong hinzufügen Add to Google Y! MyWeb
Kommentare: 1 Kommentar vorhanden
  • Kommentar von lonely_renegate am 25. Feb 2010

    Was ist mit Baustrom, Bauwasser, Baustellenabsicherung, Bestellung des Vermessers, Kosten des Bauantrags um nur ein paar zu nennen

Geben Sie einen Kommentar ab

Spam-Schutz:

XHTML: Folgende Tags können Sie verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Meldungen nach Jahr: 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2014 | Linktipps

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmen Sie der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen