Sie sind hier:     Startseite > Gesundheit & Ernährung > Allergien & Schadstoffe > Meldung vom 08. Oktober 2001

Studie belegt, wann hypoallergene Kost für Babys sinnvoll ist


Die atopische Dermatitis ist häufigste Atopie bei Säuglingen und Kleinkindern: Zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr beträgt die Prävalenz der oft juckenden Hautausschläge etwa 15 Prozent. Hypoallergene Nahrung soll die Kinder davor schützen.

Eine erste Auswertung der weltweit umfangreichsten Studie zu den Effekten hypoallergener Nahrung auf die Manifestation von Atopien im Kindesalter hat ergeben, dass Molke- und Casein-basierte Hydrolysate das Risiko für die atopische Dermatitis (AD) vor allem bei den Kindern reduzieren, deren Familienmitglieder ersten Grades keine AD, sondern eine andere Manifestation allergischer Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Urtikaria hatten.

Litten Eltern oder ältere Geschwister unter einer Neurodermitis, waren die gewünschten Nahrungsmitteleffekte deutlich weniger ausgeprägt. “Bei diesen Kindern scheint der Einfluss der Gene auf die Manifestation der Erkrankung sehr viel ausgeprägter zu sein als die Beeinflussbarkeit durch hypoallergene Nahrung”, deutet Studienleiterin Dr. Andrea von Berg vom Marien-Hospital in Wesel die Ergebnisse beim Kinderärztekongress in Freiburg. Für die prospektive, randomisierte und doppelblinde GINI (German-Infant-Nutritional-Intervention)-Studie sind 2252 gesunde Neugeborene mit einem Mindest-Geburtsgewicht von 2500 Gramm aufgenommen worden. Wenigstens ein Elternteil oder ein Geschwister musste die Bedingung erfüllen, Atopiker zu sein.

Rhinitis war die häufigste atopische Erkrankung

Am häufigsten war die allergische Rhinitis, gefolgt von dem atopischen Ekzem, den allergischen Urtikarien und Nahrungsmittelallergien. Die Kinder durften noch keinen Kontakt mit Kuhmilch gehabt haben und werden bis zu ihrem dritten Geburtstag beobachtet. Von Berg stellte die Ergebnisse von 945 Kindern ein Jahr nach ihrer Aufnahme in die Studie vor. Einige Monate voll gestillt hatten 40 Prozent der Mütter, die Hälfte hatte gestillt und bereits wenige Wochen nach der Geburt begonnen, Studiennahrung zuzufüttern: ein schwaches, ein starkes Molkehydrolysat, ein starkes Caseinhydrolysat oder ein nicht hydrolysiertes Kuhmilchpräparat (KMP) als Kontrolle. Zehn Prozent hatten ihre Babys von Geburt an ausschließlich mit einer der Studiennahrungen versorgt.

Eine Atopie entwickelten 16 Prozent der Kinder, die Kuhmilch erhalten hatten, 14,3 Prozent der Säuglinge, die starkes Molkehydrolysat, und 10,8 Prozent derer, die schwaches Molkehydrolysat getrunken hatten, sowie 9,1 Prozent derer, denen die Eltern ein Casein-basiertes starkes Hydrolysat gefüttert hatten.

Litt ein Familienmitglied ersten Grades unter einer AD, so bekamen 19 Prozent der Kinder, die die Kuhmilchzubereitung tranken, auch eine AD, ebenso 20 Prozent der Kinder, die starkes Molkehydrolysat erhalten hatten, 15 Prozent nach Verzehr des schwachen Molkehydrolysates und neun Prozent derer, die die Caseinbasierte Nahrung zu sich genommen hatten.

“In dieser Gruppe haben also tendenziell das schwache Molkehydrolysat und das Caseinbasierte einen Schutzeffekt”, sagt von Berg, “aber die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant.”

Anders in der Gruppe der Kinder, deren Eltern oder Geschwister keine AD, sondern eine andere Atopie hatten: 12,7 Prozent der Babys bekamen unter Kuhmilch eine AD, 6,2 Prozent unter dem schwachen, 7,8 Prozent unter dem starken Molkehydrolysat und 6,0 Prozent unter der Casein-basierten Nahrung. “Das Risiko für ein atopisches Ekzem wurde mit schwachem Molkehydrolysat oder Caseinhydrolysat um 50 Prozent verringert, die Unterschiede waren signifikant”, resümierte von Berg. Resumee: Haben Familienmitglieder ersten Grades eine Atopie wie Heuschnupfen oder Urtikaria, aber keine Neurodermitis, so schützt hypoallergene Kost, vor allem schwache Molkehydrolysate und Casein-basierte, die Babys vor der Manifestation einer Atopie im ersten Lebensjahr. Haben Eltern oder Geschwister eine AD, ist der Schutz durch hypoallergene Nahrung geringer, am ehesten aber noch erkennbar bei schwachen Molkehydolysaten und Casein-basierten Präparaten.

STICHWORT GINI-Studie

GINI-Studie (German Infant Nutritional Intervention Programm) sollte klären, ob hypoallergene Säuglingsnahrung für allergiegefährdete Kinder empfohlen werden kann. An der vom Bundesforschungsministerium unterstützten doppelblinden, randomisierten Interventionsstudie nahmen 2256 Säuglinge allergiekranker Eltern teil. Bei der hypoallergenen Säuglingsnahrung war das Kuhmilchprotein hydrolysiert worden.

Von Verena Rais, 8. Oktober 2001;
Kategorie: Allergien & Schadstoffe
Noch kein Kommentar abgegeben! Meldung jetzt kommentieren »
Zu Mister-Wong hinzufügen Add to Google Y! MyWeb
Kommentare: Noch kein Kommentar vorhanden
Geben Sie einen Kommentar ab

Spam-Schutz:

XHTML: Folgende Tags können Sie verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


Meldungen nach Jahr: 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | Linktipps