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Neue Afa-Tabellen erzeugen steuerlichen Verschiebebahnhof – Wirtschaftsjunioren Deutschland lehnen eine Neuregelung ab


Die Wirtschaftsjunioren Deutschland (WJD) fordern die Bundesregierung auf, die geplanten Änderungen in den Abschreibungstabellen für Anlagegüter (AfA) nicht in Kraft treten zu lassen. Sie verlangen eine weitere Überarbeitung der allgemeinen AfA-Tabellen, in der die tatsächliche Nutzungsdauer der Abschreibungsgegenstände berücksichtigt wird. „Die geplanten Änderungen sind lediglich praxisferne Einzelregelungen und wirken investitionshemmend“, kritisiert Dr. Sigrid Blehle, Ressortleiterin Unternehmenssicherung bei den WJD, das umstrittene Vorhaben. „Wenn nächstes Jahr 100 Branchentabellen in der gleichen Weise überarbeitet werden, sind die Auswirkungen unkalkulierbar. Die Veränderung der AfA-Tabellen in der derzeit geplanten Form, sind ein Kahlschlag für die Ausrüstungsgüterindustrie.“ Die Wirtschaftsjunioren Deutschland bieten dem Bund an, sich konstruktiv an der Suche nach realitätsnahen Lösungen zu beteiligen, die sich am betriebswirtschaftlichen Werteverzehr orientieren.

Nach Berechnungen der Bundesregierung kommen auf die Unternehmen durch die geplanten Abschreibungsfristen jährlich Mehrbelastungen in Höhe von 3,5 Milliarden Mark zu; die Opposition und einige Wirtschaftsverbände haben sogar noch deutlich höhere Summen errechnet. Die politisch Verantwortlichen geben dabei offen zu, dass die veränderten Abschreibungszeiträume zur Finanzierung der Entlastungen dienen, die über die Unternehmenssteuerreform entstanden sind. „Erleichterungen hier, neue Belastungen dort: Es ist wie ein Verschiebebahnhof, der die Unternehmen nicht wirklich entlastet. Hinzu kommt eine folgender Zeitfaktor: die AfA Tabellen belasten den Mittelstand bereits ab 2001, während die Unternehmenssteuerreform die Unternehmen erst ab 2005 entlastet. Dem Wirtschaftsstandort Deutschland tut dieses Hin und Her auf keinen Fall gut“, so Blehle. „Im Gegenteil, es werden eher wachstumshemmende und damit konjunkturdämpfende Signale gesetzt.“

Einziger positiver Punkt ist die geplante Verkürzung der Abschreibungszeiträume für PCs und Notebooks von derzeit vier auf drei Jahre. Bei den dazugehörigen Peripheriegeräten, wie Drucker und Scanner, wird allerdings eine unrealistische Nutzungsdauer von sechs Jahren angesetzt, bisher waren es vier. Ähnlich diesen soll die Abschreibungsdauer für viele weitere Anlagegüter verlängert werden, so für Mobilfunkgeräte, Registrierkassen sowie Kartenlesegeräte für EC- und Kreditkarten oder für Laborgeräte wie z.B. Mikroskope.

Die CDU/CSU geführten Bundesländer wollten die Neufassung der Abschreibungstabellen von einer Zustimmung der Länderkammern abhängig machen, sind damit aber vor dem Finanzausschuss des Bundesrats gescheitert. Damit könnte das Bundesfinanzministerium nun die umstrittene Neuregelung der Abschreibungstabellen für Anlagegüter (AfA-Tabellen) in Kraft setzen.

Den Wirtschaftsjunioren Deutschland gehören 11.000 Führungskräfte und Unternehmer aus allen Bereichen der Wirtschaft an, die nicht älter als 40 Jahre sind. Ziel der WJD ist es, die Akzeptanz für unternehmerisches Handeln in Deutschland zu erhöhen und die künftige Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in einem vereinten Europa aktiv mitzugestalten.

Von Verena Rais, 22. Dezember 2000;
Kategorie: Sonstige Meldungen
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